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Landessynode ohne biblische Basis
Krause/Sickinger

Die Landessynode der Ev. Kirche im Rheinland hat im Januar 2012 beschlossen, den § 39 des Pfarrdienstgesetzes der EKD zu übernehmen und somit gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften für Pfarrerinnen und Pfarrer im Pfarrhaus zu ermöglichen und grundsätzlich zu erlauben.

Der Lutherische Konvent im Rheinland hält diesen Beschluss für einen falschen und für einen auf längere Sicht die evangelische Kirche zerstörenden Weg. Wenn eine Kirche das Gegenteil von dem beschließt und tut, was Gottes Wort in der Bibel eindeutig sagt, hebt sie ihre eigene Grundlage auf und verliert ihre biblische und reformatorische Legitimation.

In dieser Frage geht es ausdrücklich nicht darum, homosexuell empfindende Menschen herabzusetzen. Selbstverständlich gibt es in den Kirchen und Gemeinden homosexuell empfindende Menschen, die z.T. engagiert mitarbeiten. Die gesellschaftlich notwendige Toleranz im Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlicher sexueller Ausrichtung wird von niemandem bestritten.

Die evangelische Kirche hat aber die Aufgabe, Gottes Wort in Gesetz und Evangelium weiterzugeben und Menschen zum Vertrauen auf Gott und zum Leben nach seinem Wort einzuladen. Wenn dagegen eine Kirche Beschlüsse fasst und Verhaltensweisen fördert oder segnet, die nach dem Wort der Bibel dem Willen Gottes widersprechen, wird sie selbst unglaubwürdig und auf Dauer überflüssig.

Wir rufen die Synode der Ev. Kirche im Rheinland, die Synoden anderer evangelischer Landeskirchen und die Synode der EKD dazu auf, ihre Irrwege zu verlassen und ihre Beschlüsse zu korrigieren.

Pfr. Winfrid Krause, Vorsitzener/Pfr. Wolfgang Sickinger, Februar 2012





Stellungnahme zum Verwaltungsreformbeschluß der Landessynode
Winfrid Krause

Die Landessynode 2012 der Evangelischen Kirche im Rheinland hat eine Verwaltungsreform auf den Weg gebracht, die gegen die z.T. erheblichen Bedenken der Mehrheit der Kirchenkreise eine Konzentration der Verwaltung auf Kirchenkreisebene durchsetzen will. Zwar wurde das ausnahmslose „Muß“ der Vorlage in eine Soll-Bestimmung abgemildert, die regionale Ausnahmen zuläßt. Unklar bleibt jedoch, welche „Pflichtaufgaben“ in Zukunft von der kreiskirchlichen Verwaltung und welche „Wahlaufgaben“ von den Gemeindebüros erledigt werden sollen. Vor allem aber verstößt die Zentralisierung der Verwaltung auf Kirchenkreisebene gegen die Kirchenordnung, nach der die Gemeinden und Presbyterien für die Verwaltung zuständig sind (Art.15 KO). Es ist deshalb zu hoffen, daß eine Klage beim kirchlichen Verwaltungsgericht die offensichtlich verfassungswidrige Reform zu Fall bringen wird.

Höchst verwunderlich ist, daß dieselbe Synode, die sich mit dem Millionenskandal des kirchlichen Beihilfezentrums bbz beschäftigen mußte, das Heil der Kirche ausgerechnet in einer fragwürdigen Verwaltungszentralisierung sieht. Das in die Debatte geworfene Stichwort „Subsidiarität“, nach dem die Dinge vor Ort schneller, besser und billiger geregelt werden als in fernen, teuren und unüberschaubaren Superstrukturen, blieb unberücksichtigt. Dagegen hat man bisher nichts davon gehört, daß die KirchrechnerInnen der Gemeinden schlecht gearbeitet oder gar hohe Schulden verursacht hätten. Sollen die bisherigen Angestellten der ca. 70 nicht an Verwaltungsämter angeschlossenen Gemeinden in die Arbeitslosigkeit entlassen werden? Glaubt man wirklich, daß eine zentrale Verwaltung mit Vollzeitbeamten kostengünstiger arbeiten wird als nebenberufliche oder ehrenamtliche Gemeindeglieder? Oder gelten jetzt auch in der Kirche die parkinsonschen Gesetze, nach denen eine sich selbst überlassene Bürokratie sich immer mehr Macht anmaßt, immer mehr Geld verschlingt und wie ein Krebsgeschwür wuchert?

Pfarrer Winfrid Krause, Vorsitzender des Lutherischen Konvents im Rheinland, Thalfang, 15.02. 2012





Aufruf an die Landessynode

Der Landessynode 2012 soll auf Vorschlag der Kirchenleitung eine Verwaltungsreform beschließen, durch die in Zukunft die Verwaltung den Kirchengemeinden genommen und auf Kirchenkreisebene konzentriert wird.

Entgegen dem erklärten Ziel, die Verwaltung dadurch effizienter und kostengünstiger zu machen, ist ein erheblicher Anstieg der Kosten zu befürchten, weil die anvisierte Zahl hauptamtlicher Kräfte bisher von den meisten Kirchenkreisen nicht vorgehalten wird.

Es ist ein Irrtum, zu glauben, durch Zentralisierung und Steuerung von oben würden die Probleme besser gelöst. Im Gegenteil, nur durch subsidiäre Entscheidungsstrukturen und Kenntnis der Verhältnisse vor Ort werden die Dinge unbürokratisch, sachgemäß und verantwortlich geregelt.

Darüber hinaus widerspricht die geplante Verwaltungsreform Buchstaben und Geist unserer presbyterial-synodalen Kirchenverfassung. Nach Art. 6 KO nimmt die Kirchengemeinde den Auftrag der Kirche „in eigener Verantwortung“ wahr. Laut Art. 15 KO ist das Presbyterium für die „ordentliche Verwaltung der Kirchengemeinde“ zuständig. Nach Art. 16 KO sind Entscheidungen in diesen Angelegenheiten „nicht übertragbar“. Gemäß Art. 126 KO ist die Landeskirche für die „Wahrung der presbyterial-synodalen Ordnung“ der Kirche verantwortlich. Die vorgesehene Verwaltungsstrukturreform greift dagegen so grundsätzlich in das Leben der Kirche ein, daß sie einer rechtlichen Überprüfung kaum standhalten würde.

Anders als die hierarchisch verfaßte römisch-katholische Kirche war die evangelische Kirche bisher von unten nach oben aufgebaut. Die Selbstständigkeit der Gemeinden, vom Pfarrwahlrecht bis zur eigenen Verwaltung, war ein Grundanliegen der Reformation. Die Barmer Theologische Erklärung hat daran erinnert, daß Botschaft und Ordnung der Kirche sich entsprechen müssen (Barmen III). Wenn die Christen vor Gott alle gleichermaßen gerechtfertigte Sünder sind, muß auch die Gestalt der Kirche falsche Überordnungen vermeiden.

Wir rufen die Landessynode deshalb auf, die eigenständige Verwaltung der Gemeinden nicht anzutasten!

Ev. Kirchengemeinde Langenfeld
Ev. Kirchengemeinde Kelzenberg
Ev. Kirchengemeinde Holten-Sterkrade
Ev. Johannes-Kirchengemeinde Leverkusen-Manfort
Ev. Kirchengemeinde Thalfang
Ev. Kirchengemeinde Rheinberg
Ev. Kirchengemeinde Waldniel
Ev. Kirchengemeinde Mülheim/Mosel
Ev. Kirchengemeinde Heusweiler
Ev. Kirchengemeinde Ottweiler
Ev. Kirchengemeinde Alpen
Ev. Kirchengemeinde Rheinberg
Ev.-ref. Kirchengemeinde Gruiten

Stellvertretend für die über 70 Gemeinden unserer Landeskirche, die bisher ihre Verwaltung erfolgreich selbstständig betreiben




Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig
Zur Jahreslosung 2012 2. Korinther 12, 9
Winfrid Krause

Ein Wort Jesu Christi soll uns als Losung durch das neue Jahr begleiten, nicht ein Wort des irdischen, sondern des erhöhten, das uns der Apostel Paulus überliefert hat. Nachdem Paulus die Gemeinde in Korinth verlassen hatte und weitergezogen war, wurde seine Autorität dort von anderen Aposteln in Frage gestellt. Er sei kein richtiger Jünger Jesu gewesen (2.Kor 5,16), er habe die Heiden vom Gesetz des Mose befreit, er verfüge über keine besonderen Geistesgaben (2.Kor 11,5). Der Apostel kämpft in seinen Briefen an die Korinther leidenschaftlich um seine Stellung1 und erwähnt eine besondere „Offenbarung“, bei der er ins Paradies entrückt wurde. Doch will er sich solcher außergewöhnlichen Gnadenerweise nicht rühmen; sie sind kein Verdienst. Damit er sich ihretwegen nicht überhebe, wurde ihm ein „Pfahl ins Fleisch“ gegeben, irgendeine schmerzhafte Krankheit, die trotz mehrfachen Gebets nicht weichen will. Der Herr sprach vielmehr zu ihm: „Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Solche Erfahrungen, daß Gebete auch nicht erhört werden, daß wir mit einem Leiden leben müssen, sind uns nicht unbekannt. In den heidnischen Religionen suchten die Menschen ihr Glück: hast du Liebeskummer, gehe in den Tempel der Venus; mußt du in den Krieg ziehen, bringe dem Mars ein Opfer; bist du krank, bete zu Asklepios! Aber – so hat Dietrich Bonhoeffer in einer berühmten Predigt2 gesagt – am Kreuz Jesu „ist die Gleichung von Religion und Glück ein für allemal zerbrochen. Über dem Kreuz erschien das neue, unbegreifliche Wort: Gnade.“ Gottes Sohn lebte uns dort das Vertrauen auf Gottes Gnade vor und ging in das Dunkel des Todes hinein. Erst drei Tage danach, in seiner Auferstehung, wurde Gottes Heil an ihm offenbar.

Wo sind wir in unserem Leben schwach, daß wir um Gottes Hilfe bitten? Da sind Ängste, den vielfältigen Anforderungen in Beruf und Familie nicht gewachsen zu sein. Da sind Sünden, die sich trotz guter Vorsätze hartnäckig wiedereinstellen. Da sind schmerzhafte, chronische Krankheiten, die selbst mit aller Medizin nicht besser werden. Da ist das Älterwerden, wo die Kräfte nachlassen und vieles nicht mehr so geht wie früher. Wenn diese Nöte und Schwächen auch durch intensives Gebet nicht aufhören, sind sie offenbar von Gott auferlegt und gewollt. Christsein besteht wesentlich im Hoffen und Harren auf Gottes Zukunft und Erlösung. Nur wo der Mensch nicht groß, stark, reich, gerecht und gesund sein will, nur wo er klein, schwach, arm, schuldig und krank ist, ist Raum für Gott: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Dadurch wird umgekehrt auch ganz klar, was Gottes Gnade eigentlich ist? Offenbar kein Wundermittel zur Erreichung irdischer Glückszustände; keine Gabe, die von ihrem Geber abgelöst einfach so in unseren Besitz übergehen könnte; sondern die vergebende Liebe Gottes, die am Kreuz seines Sohnes aufleuchtet und den Sünder annimmt, durch die wir – wenn wir an sie glauben – auch in der größten Not nicht verlassen, sondern in Gott geborgen sind. Gott wurde in Jesus Christus ein Mensch, ein hilfloses Kind in der Krippe, ein Wanderprediger mit Worten, ein ohnmächtiger Mann am Kreuz. Aber gerade so zeigt er eine Schwäche für uns, so wurde die Größe seiner Liebe offenbar, so hat er Sünde, Tod und Teufel besiegt und das ewige Reich Gottes begründet. „Denn wenn er auch gekreuzigt worden ist in Schwachheit, so lebt er doch in der Kraft Gottes.“ (2.Kor 13,4) So führt er uns durch Kreuz und Leiden zur Auferstehung und zur ewigen Freude!

Vielleicht verstehen wir jetzt besser, warum Schwächen zum Christsein dazugehören? Wir haben den „Schatz“ der Gnade „in irdenen Gefäßen, damit die überschwengliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.“ (2.Kor 4,7) Wir wandeln eben noch „im Glauben“ und noch nicht „im Schauen“ (2.Kor 5,7) Wir würden uns sonst der „hohen Offenbarungen überheben“ (2.Kor 12,7) und uns wie das Volk Israel unserer Erwählung „rühmen“ und so aus der göttlichen Gnade wieder ein menschliches Verdienst machen. Wir sind auch als Christen noch Sünder, und die Sünde, die im Fleisch steckt, muß zu Grabe getragen werden. Wir müssen deshalb erst „mit Christus leiden“ und sterben und unser Kreuz tragen, bevor wir mit ihm zur Auferstehung gelangen und endgültig vom Bösen erlöst werden. (Röm 8,17; Phil 3,10f.)

Für solche Kraft in der Schwachheit gibt es viele Beispiele in der Natur: Wasser ist viel weicher als der harte Fels, und doch hölt steter Tropfen den Stein. Ein zarter Pflanzentrieb durchbricht das harte Erdreich. Ein kleiner Vogel fliegt tausende Kilometer weit. Eine einzige Kerze erhellt den ganzen Raum voll Dunkelheit.

Auch unter den Menschen kommt man mit Geduld oft weiter, als wenn man mit der Faust dreinschlägt. Die Welt muß gewiß mit starker Hand regiert werden und kann der staatlichen Gewalt nicht entbehren. Aber Christen kämpfen nicht mit irdischen Waffen um vergängliche Erfolge, sondern breiten mit dem schwachen Wort und mit Zeichen der Liebe Gottes Barmherzigkeit aus. Und entsprechen so dem, was Jesus uns durch seinen Apostel sagt: „Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Martin Luther notierte dazu bei seiner Bibelübersetzung am Rand: „Mit diesem Wort tröstet Christus alle, die in Schwachheit und Leiden sind. Denn er kann seine Stärke in uns nicht beweisen, wir seien denn schwach und leidend.“3 Im Glauben aber sind wir auch in Schwachheit und Leiden mit Jesus verbunden, der – obwohl er als Gottes Sohn Anteil an Gottes Allmacht hatte –aus Liebe zu uns schwach wurde. Im Glauben wohnt er im Hl.Geist in uns, stärkt uns mit herrlichen Verheißungen und geht im neuen Jahr mit uns mit. So daß wir mit dem Apostel sprechen können: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ (2,Kor 12,10)

1 E.Käsemann, Die Legitimität des Apostels, ZNW 1942,,33-71; Sonderausgabe 1956.

2 GS V, 458ff.

3 WADB 7,169



Pfr.Winfrid Krause, Thalfang, Vorsitzender des Luth.Konvents, 01.01. 12

Bericht über den Lutherischen Konvent am 1.11.2011 in Brühl

Der Lutherische Konvent im Rheinland traf sich zu seiner Herbsttagung im Gemeindezentrum Jakobuskirche. Nach dem Abendmahlsgottesdienst (Predigt: Pfarrer Stöcker, Marienberghausen) trug Prof. Dr. Oswald Bayer, Hennef, zum Thema „Öffentliches Geheimnis – zur Veröffentlichung und Öffentlichkeit des Wortes Gottes“ grundsätzliche theologische Gedanken vor. Das aus der Ewigkeit kommende und in Ewigkeit bleibende Wort Gottes wird in Zeit und Geschichte in apokalyptischer Öffentlichkeit offenbar. Angesichts des kommenden Gerichtes Gottes will es die Gewissen schärfen und trösten – wie man das entscheidende Anliegen Luthers und der Reformation zusammenfassen könnte. Entsprechend Ps 119,46 („Ich rede von deinen Zeugnissen vor Königen und schäme mich nicht“) stellten sowohl das Bekenntnis am Ende von Luthers großer Abendmahlsschrift (1528) als auch die Protestation der evangelischen Stände auf dem Speyerer Reichstag (1529) und die Augsburger Confession Melanchthons (1530) solche Öffentlichkeit des Wortes Gottes dar. Wichtig sind weiter folgende Differenzierungen: Das „Geheimnis der Bosheit“ (2.Thess 2,7) ist ein Rätsel, das sich jetzt schon in der persönlichen Sündenerkenntnis und in der Ewigkeit endgültig lösen wird. Das „Geheimnis der Erwählung und Verstockung“ bleibt dem Glauben jetzt noch anfechtend verborgen, wird aber im Licht der Herrlichkeit ebenfalls gelöst. Das „Geheimnis der Messianität Jesu“ war den Menschen, selbst den Jüngern, wie ihre Mißverständnisse zeigen, lange verborgen und wurde erst durch den Hl.Geist offenbar. Das „Geheimnis der Liebe des dreieinigen Gottes“, an die wir jetzt schon glauben, bleibt auch in Ewigkeit geheimnisvoll. Im anschließenden Gespräch wurden diese offenbarungstheologischen Linien weiter deutlich.

Zum Reformprozeß unserer Landeskirche wurden nach einer kritischen Diskussion zwei Beschlüsse gefaßt:

  1. Die geplante Konzentration der Verwaltung auf Kirchenkreisebene wurde als der Selbstständigkeit der Kirchengemeinden widersprechend abgelehnt. In einem konstruktiven Alternativvorschlag wurden differenzierte Schritte aufgezeigt, die die berechtigten Anliegen der Reform aufnehmen, ohne die Freiheit der Gemeinden anzutatsten. (s.Anlage)
  2. Das Modell 2 der Personalplanung – Übertragung aller Beschäftigungsverhältnisse der Kirchengemeinden auf den Kirchenkreis durch 2/3-Mehrheit der Kreissynode (S.17 der Vorlage v.10.6.11) – ist unvereinbar mit der presbyterial-synodalen Ordnung unserer Landeskirche.


Anschließend wählte der Konvent Pfarrer Thomas Berke, Mülheim/Mosel zum stellvertretenden Vorsitzenden.


Auf der Frühjahrstagung am 11.3.2012 wird Prof. Dr. Friedrich Beißer, Mainz, seine neue lutherische Dogmatik vorstellen.

Pfr. Winfrid Krause, Vorsitzender



Keine Entmachtung der Gemeinden in der rheinischen Kirche!

Der Vorstand des Lutherischen Konvents im Rheinland hat sich mit deutlichen Worten gegen die von der Kirchenleitung geplante Entmachtung der Kirchengemeinden und Presbyterien gewandt. Verschiedene reformierte Kirchengemeinden der Ev. Kirche im Rheinland unterstützen die Erklärung des Lutherischen Konvents.

In der Sache geht es darum, dass die Landeskirche plant, den Presbyterien das Recht zur Personalplanung und damit zur eigenständigen Personalpolitik zu nehmen und es auf die Ebene des Kirchenkreises zu verlagern. Früher oder später dürfte dies auch dazu führen, dass das Pfarrwahlrecht auf die Kirchenkreisebene verlagert wird. Der Lutherische Konvent sieht darin einen Angriff auf die Freiheit der Gemeinden, der in klarem Gegensatz zu den grundlegenden Entscheidungen der Reformation steht. Den vollständigen Text der Stellungnahme finden Sie hier.

Lutherischer Konvent im Rheinland
Stellungnahme zur Entmachtung der Presbyterien

Die Kirchengemeinden müssen handlungsfähig bleiben
Übertragung der Personalplanung auf die Kirchenkreisebene widerspricht der presbyterial-synodalen Ordnung!

Mit großem Nachdruck warnt der Lutherische Konvent im Rheinland vor einer Verlagerung der Dienst- und Beschäftigungsverhältnisse auf die Ebene der Kirchenkreise, wie sie in einer Beschlussvorlage der Landessynode vorgeschlagen wird. Die Kirchengemeinden würden dadurch zu Filialen der Kirchenkreise degradiert. Dies steht im Widerspruch zu Artikel 6 der Kirchenordnung, in dem es heißt: „Die Kirchengemeinde nimmt den Auftrag der Kirche gemäß Artikel 1 in ihrem Bereich im Rahmen der kirchlichen Ordnung in eigener Verantwortung wahr.“ Zudem ist die Landeskirche nach Artikel 126, 3 verpflichtet, die presbyterial-synodale Ordnung zu wahren. Diese würde jedoch verletzt, wenn über die Anstellung von Pfarrern und Mitarbeitern der Kirchenkreis anstelle der Kirchengemeinden entscheiden könnte.

Es ist ein unverzichtbares Grundanliegen der Reformation, dass eine Gemeinde das Recht hat, ihren Pfarrer zu wählen und Mitarbeiter einzustellen. Eine Entsendung von einer höheren kirchlichen Ebene in die Gemeinde, wie sie in der katholischen Kirche praktiziert wird, ist mit dem evangelischen Kirchenverständnis unvereinbar. Superintendenten und Kreissynodalvorstände würden mit einer unevangelischen Machtfülle ausgestattet. Da die bislang ehrenamtlich tätigen Kreissynodalvorstände mit der Vielzahl der Personalfälle schnell überlastet wären, wäre eine teure Professionalisierung die absehbare Folge.

Der Lutherische Konvent im Rheinland weist darauf hin, dass im Jahre 2006 im Rahmen der Diskussion zu den Strukturvorschlägen der beiden landessynodalen Arbeitsgruppen 3/4 der Presbyterien und mehr als die Hälfte der Kirchenkreise eine Verlagerung der Dienst- und Beschäftigungsverhältnisse auf die Ebene der Kirchenkreise abgelehnt haben (siehe Protokoll der Landessynode 2007, Anlage V, Drucksache 3). Die Landessynode würde sich also über ein klares Votum der Presbyterien hinwegsetzen. Dafür besitzt sie keine Vollmacht!

In der Evangelischen Kirche im Rheinland ist ein grundlegendes Umdenken erforderlich. Nicht die Kirchengemeinden sollten sich nach den Bedürfnissen der höheren Ebenen richten, sondern umgekehrt die höheren Ebenen die Bedürfnisse der Kirchengemeinden in den Blick nehmen. Darum ist es nötig, Aufgaben und Kompetenzen auf der Gemeindeebene zu belassen und die nötigen finanziellen Mittel dafür zu Verfügung zu stellen. Landeskirche und Kirchenkreise sollten ihre Budgets reduzieren, damit mehr finanzielle Mittel in den Kirchengemeinden verbleiben.

Pfr. Thomas Berke, Mülheim (Mosel) im Namen des Vorstandes, 5. 1. 2011

Nein zur PID!
Offener Brief des Vorsitzenden Pfr.Krause an den Ratsvorsitzenden der EKD

Anlässlich seiner Wahl zum Ratsvorsitzenden der EKD hat Präses Schneider positiv zur Präimplantationsdiagnostik Stellung genommen. Der Vorsitzende des Lutherischen Konvents im Rheinland, Pfr. Krause, hat dies in einem Offenen Brief an Ratsvorsitzenden Schneider kritisiert. Sie finden diesen Brief als PDF-Datei hier.
Am 21. März 2010 hat die Konventsversammlung des Lutherischen Konvents im Rheinland eine Stellungnahme zur Frage der Moslemission beschlossen. Sie trägt den Titel: "Lehret alle Völker". Hier der vollständige Text:

„Lehret alle Völker“
Mission richtet sich an jeden

Die Landessynode 2010 hat sich eine Vorlage des Theologischen Ausschusses zum Thema „Missionarisch Volkskirche sein“ zu eigen gemacht. In diesem 20-seitigen Text werden biblische Vorgaben mit Überlegungen zur Missionsgeschichte, Begriffsklärungen und Gedanken aus dem EKD-Impulspapier „Kirche der Freiheit“ verbunden. Ganz im Sinne der „Inneren Mission“ werden die Worte „Volkskirche“ und „missionarisch“ zusammengedacht und Vorschläge gemacht, wie unsere von Austritten und demographischen Schrumpfungsprozessen betroffene Kirche in 10 verschiedenen Handlungsfeldern „offener“, „einladender“ und „missionarischer“ werden könnte.

Vor einem Jahr hatte dieselbe Landessynode umgekehrt der Judenmission eine „Absage ohne wenn und aber“ erteilt. Die neuen „biblisch-theologischen Einsichten“, die dafür angeführt wurden, bestanden in der höchst fragwürdigen Übersetzung von „alle Völker“ im Missionsbefehl Jesu Christi (Mt 28,19) mit „alle Heiden“ (=nichtjüdische Völker) und in dem Fehlen eines neutestamentlichen „Belegs für eine heidenchristliche Mission an Juden“. Doch wie Jesu Missionsauftrag die Juden, ihre Synagogen, Jerusalem und die ganze Welt miteinschließt (Mt 24,14; Mk 13,9f.; Lk 24,47), so bezeugt das ganze Neue Testament und besonders der Heidenapostel Paulus wie ein Chor, daß das Evangelium „zuerst den Juden und ebenso den Griechen“ (Röm 1,16), also allen Menschen und Völkern gilt. Trotz der Verteidigung dieser auch in anderen Kirchen Deutschlands verbreiteten Position durch Präses Schneider im Rahmen der Rabbiner-Brandt-Vorlesung am 17.09. 2009 wird jedem aufmerksamen Bibelleser deutlich, wieweit sich die rheinische Kirchenleitung hier von Buchstaben und Geist des Neuen Testaments entfernt hat, ja ihm offen widerspricht. Leider fehlt den Theologischen Fakultäten des Rheinlands bisher der Mut, gegen diesen unbiblischen Kurs Stellung zu beziehen.

Wichtiger ist heute, wo auf dem Gebiet der Ev. Kirche im Rheinland bis zu 1 Million Muslime leben, der Beginn einer Moslemmission, die diesen Namen verdient.

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Brühl, den 21. März 2010


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Bericht über den Lutherischen Konvent am 1.11.2010 in Brühl
Winfrid Krause

Der Lutherische Konvent traf sich zu seiner Herbsttagung wieder am Gedenktag der Heiligen in Brühl. Zu Beginn stand ein festlicher Gottesdienst, der von Pfr. Buhren und Pfr.Vogels gestaltet wurde. Der scheidende Vorsitzende nutzte die Gelegenheit, in der Predigt über Mk 1,15: „Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ zu einer Kritik gegenwärtiger Fehlentwicklungen in der Kirche. Anders als zur Zeit der Reformation, als die Katholische Kirche die Menschen aufforderte, sich den Himmel mit guten Werken zu erarbeiten, propagiere man heute eine innerweltliche Ersatzreligion. Die Kirche solle sich für „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ einsetzen, aber der eigentliche Auftrag der Kirche, das Evangelium von der in Jesus Christus geschehenen Versöhnung zu predigen, die uns das Reich Gottes öffnet, werde kaum gesehen.

Danach hielt Prof. Dr. Joachim Ringleben, Göttingen, einen Vortrag über „Gottes Wort und unsere Auferstehung als geistlicher Leib.“ Es handelte sich um Gedanken aus seinem im Druck befindlichen neuen Buch: „Gott im Wort – Luthers Theologie von der Sprache her.“ Ausgehen von Luthers früher Bemerkung „Das Wort Gottes wurde Fleisch, damit wir Wort würden“ entwickelte Ringleben auch in der anschließenden Diskussion eine faszinierende theologische Gesamtschau, die vom Schöpferwort Gottes ausgeht und über Jesus Christus als Gottes Wort auf die Vollendung im „ewigen Gespräch“ der Dreieinigkeit Gottes zielt. Es wurde deutlich, wie Luthers Eschatologie besonders aus seiner Paulusdeutung erwächst und um den Gedanken des „geistlichen Leibes“ kreist (1.Kor 15, 44). Auf das neue Lutherbuch darf man gespannt sein.

Anschließend legte Pfr.Vogels nach 15-jähriger Tätigkeit den Vorsitz des Konvents nieder und wurde zum Ehrenvorsitzenden erklärt. Neugewählt wurde der bisherige stellvertretende Vorsitzende Pfr. Winfrid Krause aus Thalfang. Der Konvent trifft sich wieder am 20.März in Brühl. Prof. Dr. Christian Möller, Heidelberg, wird zum Thema „Aufbruch zur Ortsgemeinde“ sprechen.

Pfr. Winfrid Krause, Thalfang, 2. 11. 2010



Frühjahrskonvent 2010

Wiederherstellung der Ehre Gottes und Wiederaufrichtung der heilsamen Lebensordnung Gottes


Prof. Ulrich Eibach aus Bonn zur Heilsbedeutsamkeit des Kreuzestodes Jesu Christi

Vor einem Jahr hat in der Ev. Kirche im Rheinland eine heftige Diskussion über die Bedeutung des Kreuzestodes Jesu Christi begonnen. Auslöser waren Radioandachten eines ehemaligen rheinischen Superintendenten, in denen bestritten wurde, dass Jesus zur Vergebung unserer Sünden am Kreuz gestorben ist.

Nach Vorarbeiten des Ständigen Theologischen Ausschusses der Landessynode hat die Kirchenleitung im Februar 2010 eine Orientierungshilfe zu diesem Thema vorgelegt. In dieser Orientierungshilfe werden ähnlich anstößige Formulierungen, wie sie in den Morgenandachten zu hören waren, nicht wiederholt, und es wird der Versuch unternommen, auf der Basis der biblischen Aussagen eine dem christlichen Bekenntnis entsprechende Deutung des Todes Jesu anzustoßen. Im einzelnen soll diese Orientierungshilfe an dieser Stelle nicht analysiert werden.

Es sei nur darauf hingewiesen, dass sie zwar einen großen Fortschritt gegenüber dem bisherigen Diskussionsverlauf markiert, dass sie aber in wichtigen Punkten dennoch nicht der vollen Tiefe des Themas gerecht wird. So wird z.B. der Sündenbegriff fast ausschließlich in gesellschaftlich-sozialen Zusammenhängen definiert. Sünde wird danach zu einem Eingebundensein des einzelnen in ungerechte und also sündhafte ökonomische oder gesellschaftliche Verhältnisse. Bibelleser wissen, dass dieses Sündenverständnis schon beim Propheten Hesekiel, nämlich Hes. 18, 1ff, überwunden worden ist. Analog zum gesellschaftlichen Sündenverständnis der Orientierungshilfe wird dann auch die Bedeutung des Kreuzestodes Christi vor allem als Zeichen der Solidarität mit denen verstanden, die unter ungerechten Verhältnissen leiden müssen. Die eigentliche Zuspitzung des Kreuzeswerkes Christi, nämlich die stellvertretende Sühne für unsere Sünden, kommt daher kaum in den Blick.

Demgegenüber hat Prof. Eibach in seinem Vortrag vom 21. März 2010 vor der Konventsversammlung des Lutherischen Konvents weiterführende Hinweise gegeben. Ein Gott, so Eibach, der uns die Sünde einfach abnimmt, ist ein Götze. Vergebung gibt es nur durch das Gericht hindurch. Der Liebesmonismus wird weder Gott noch dem Menschen gerecht. Prof. Eibach erklärte z.B., dass Frauen, die als Kind sexuell geschändet worden seien, kaum einen Gott akzeptieren und achten könnten, der dem Täter einfach so vergeben würde. Der Kreuzestod Christi sei eine personale und existentielle Stellvertretung des sündigen Menschen. Sünde bedeute immer die Zerstörung der heilsamen Beziehung des Menschen zu Gott. Sünde beschädige die Ehre Gottes. Umgekehrt heile der stellvertretende Fluchtod Christi am Kreuz die Beziehung des Menschen zu Gott und richte die Ehre Gottes wieder auf. Das bedeute, dass die heilsame Lebensordnung, die Gott durch sein Wort gegeben habe, wiederhergestellt werde. Am Kreuz sei nicht nur die Liebe Gottes, sondern auch seine Gerechtigkeit und Heiligkeit wieder in Kraft gesetzt worden. Das eine gebe es nicht ohne das andere. Der Gekreuzigte sei das Zentrum des Christentums.

In der anschließenden Aussprache wurde deutlich, dass die Kirche vor allem um des erlösungsbedürftigen und sündhaften Menschen willen das Wort vom Kreuz nicht aufgeben, nicht umdeuten, nicht in gesellschaftliche Zusammenhänge hinein sozialisieren darf und dass die Einsetzungsworte des Heiligen Abendmahls: "Vergossen für euch zur Vergebung der Sünden" ohne Abstriche wahr sind. Sie verkündigen die Wahrheit, die frei macht, und die Wahrheit, die zum ewigen Leben führt.

Reiner Vogels, 25, 03. 2010


Die nächste Konventstagung findet am 11. März 2012 in Brühl statt.



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Aktelle Buchempfehlungen





Buchtip zum Melanchthonjahr 2010
Ernst Volk: Philipp Melanchthon. Der Lehrer Deutschlands
Verlag der Lutherischen Buchhandlung, Eichenring 18, 29393 Groß Oesingen, ISBN 3-86147-157-4, Preis: € 6,--

Am 19. April 2010 jährt sich der 450. Todestag des Reformators Philipp Melanchthon. Anlass genug, um auf dieses Büchlein des Ehrenvorsitzenden des Lutherischen Konventes im Rheinland, Superintendent i. R. Ernst Volk hinzuweisen. Volk gelingt es, auf 150 schmalen Seiten die Gestalt dieses wichtigsten Mitstreiters und Freundes Martin Luthers durch Erzählkunst und fundierte historische wie theologische Quellenkenntnis vor den Augen des Lesers lebendig werden zu lassen. Er stellt Melanchthon als hochbegabten Altphilologen aus humanistischem Hause dar, der bereits mit 21 Jahren „blutjung“ Professor in Wittenberg wurde, dort auf Martin Luther stieß und zusammen mit ihm sein ganzes weiteres Leben für die Reformation der Kirche aus Gottes Wort arbeitete. Dabei tritt in der Darstellung Melanchthons Profil deutlich aus dem Schatten Luthers heraus. Volk stellt ihn uns in 10 griffigen Kapiteln vor als „gelehrten Humanisten und Bibeltheologen, Bekenner und Reformator, angefochtenen Diplomaten und getreuen Freund, Lehrer Deutschlands und mutigen Zeugen Jesu Christi“. Das Büchlein ist gewinnbringend zu lesen für jeden, der sich über Melanchthon informieren möchte.

Pfr. Thomas Berke, Mülheim, Mosel, 18.02.2010




Das Vermächtnis der Reformation und Luthers Testament
zu Werner Führers Buch "Die Schmalkaldischen Artikel", Tübingen 2009

Nachdem Werner Führer, Oberkirchenrat von Schaumburg-Lippe i.R. und ehemaliges Mitglied der EKD-Synode, im Jahr 2001 ein Buch über das Amt der Kirche vorgelegt hatte, ist jetzt sein Buch über die Schmalkaldischen Artikel erschienen. Es ist ein umfassendes Buch über diese letzte große Bekenntnisschrift der Lutherischen Kirche.

Zur Erinnerung: Um den Jahreswechsel 1536/1537 herum hat Luther im Auftrag des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen die Schmalkaldischen Artikel verfasst. Sie waren dazu bestimmt, auf dem geplanten gesamtkirchlichen Konzil die geistliche Position der reformatorischen Kirchen zu beschreiben. In diesen Artikeln sollte festgehalten werden, in welchen Punkten auf keinen Fall nachgegeben werden dürfe und worüber eventuell verhandelt werden könne. Da Luther zur Zeit der Abfassung krank war und damit rechnete, bald zu sterben, hat er die Schmalkaldischen Artikel auch als sein theologisches Testament verstanden. Alle Pfarrer und Kirchenleiter der Lutherischen Kirche sind auf die Schmalkaldischen Artikel verpflichtet.

Werner Führer hat den Text der Artikel wissenschaftlich nach den Originalzeugnissen neu herausgegeben und ausführlich kommentiert. Herausgekommen ist ein umfassendes und großartiges Buch über die geistliche Quintessenz, der die Lutherischen Kirchen der Welt für alle Zeiten verpflichtet sind.

Das Buch ist geeignet, allen, die wegen der gegenwärtigen Krise der Evangelischen Kirche mit dem Gedanken spielen, sich unter das Dach der römisch-katholischen Kirche zu flüchten, um so gemeinsam besser überleben zu können, neues Selbstbewusstsein und neue Zuversicht über die Zukunft der reformatorischen Kirche zu geben: Es gibt nun einmal, und das hat Führer den Evangelischen ist Gedächtnis gerufen, geistliche Erkenntnisse der Reformation, die nicht nur unaufgebbar und unverhandelbar sind, sondern die darüber hinaus die Kirche mit neuer Kraft und Vollmacht erfüllen können. Die Wahrheit des Evangeliums, wie sie in den Schmalkaldischen Artikeln von neuem erklungen ist, hat ihre eigene Macht und ihre eigene Dynamik. Sie wird Bestand haben und die Kirche aus allen Krisen herausführen. Wenn die Kirche an dieser Wahrheit festhält, braucht sie die künstlichen institutionellen Stützen, die die römisch-katholische Kirche bietet, nicht. Im Gegenteil, wer auf sie hofft, macht die Kirche auf Dauer schwächer, nicht stärker.

In diesem Sinne sind die Schmalkaldischen Artikel das geistliche Vermächtnis der Reformation. Das hat Werner Führer in eindrucksvoller Weise herausgearbeitet. Nicht nur für Theologen, sondern auch für kirchlich und theologisch interessierte Nichttheologen ist Werner Führers Buch außerordentlich empfehlenswert.

Werner Führer, "Die Schmalkaldischen Artikel", Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 2009, 500 Seiten kosten 49,- Euro (Leinen 99,- Euro).

Pfr. i.R. Reiner Vogels, 12.09. 09




Dominik Klenk (Hg.): Gender Mainstreaming
Das Ende von Mann und Frau?


Gießen und Basel 2009, 175 Seiten, ISBN 978-3-7655-1441-8, 9, 95 €

Fast jeder hat schon einmal den Begriff "Gender Mainstreaming" gehört. Nicht jeder jedoch weiß genau, was damit gemeint ist. Noch weniger werden in der Lage sein, die Bewegung des "Gender Mainstreaming" sachgerecht und auf der Basis der biblischen Botschaft zu bewerten. Das gerade eben als Taschenbuch erschienene Buch "Gender Mainstreaming", herausgegeben von Dominik Klenk, füllt genau diese Lücke.

Hinter dem Buch steht die "Offensive Junger Christen", Reichelsheim (OJC), die sich schon seit einiger Zeit intensiv mit der Thematik beschäftigt hat. Das Buch ist eine Sammlung von Aufsätzen verschiedener kompetenter Autoren. Wie man es von der OJC kennt, zeichnet es sich nicht nur durch fundiertes wissenschaftliches Niveau, sondern auch dadurch aus, dass es allgemeinverständlich und klar ist.

Die einzelnen Beiträge des Buches gehören zu drei unterschiedlichen Teilen:

In einem ersten Teil wird umfassend und mit stets nachvollziehbaren Quellenangaben beschrieben, was "Gender Mainstreaming" ist, welche Ziele seine Promotoren verfolgen und welch große Macht es in Wissenschaft und Politik inzwischen hat. Jedem, der die Bibel kennt, wird schon beim Lesen dieses ersten Teiles klar, dass "Gender Mainstreaming" ein gezielter und von langer Hand gesteuerter ideologischer Angriff auf das biblische Menschenbild und die Schöpfungsordnung Gottes ist.

Im zweiten Teil wird genau dies vertieft. Zwei Beiträge von Christl R. Vonholdt und 'Irisz Sipos stellen in überzeugender und geistlich verantworteter Weise das biblische Menschenbild in Kontrast zur Ideologie des "Gender Mainstreaming" dar.

Der dritte Teil schließlich widmet sich, wie der Herausgeber Dominik Klenk in seinem Vorwort schreibt, "den Bedingungen für die Heranbildung von gereifter Männlichkeit und Weiblichkeit."

Das Buch ist unbedingt lesenswert. Es ist fast so etwas wie ein geistliches Lehrbuch für die Arbeit in Kirche und Gemeinde, in Erziehung und Schule. Christen müssen sich geistlich rüsten, damit sie den listigen Angriffen antichristlicher Ideologien entgegentreten können.

Pfr. i.R. Reiner Vogels, 24.08. 09




Martti Vaahtoranta: "Mission der Liebe"
Gottes Dialog mit dem Islam


Groß Ösingen 2008, 95 Seiten, € 6,50, ISBN 978-3-86147-306-0

Martti Vaahtoranta, der im November 2007 auf der Jahrestagung unseres Konvents über die Frage der Islammission referiert hat, hat seine Gedanken zur theologischen Grundlegung der Islammission in einem Buch vorgestellt. Vaahtoranta ist viele Jahr lang Leiter von ELRIM gewesen, dem Evangelisch-Lutherischen Religionsinstitut Mannheim, einer Einrichtung der Lutherischen Staatskirche von Finnland. Dieses Institut hat hat sich vor allem als Missionseinrichtung mit Schwerpunkt Islammission verstanden.

Für die praktische Arbeit der Islammission hat Vaahroranta nun eine umfassende und überzeugende theologische Grundlegung vorgelegt. Besser: Er hat herausgearbeitet, dass der dreieinige Gott, der in sich die Liebe ist, selbst die Grundlegung der Mission ist. Daher der Titel "Mission der Liebe". Es ist die Liebe Gottes, die zur Mission drängt und der die Kirche lediglich dienend nachfolgt.

Von dieser Grundlage aus kommt Vaahtoranta zu der Überzeugung, dass Mission und Dialog keine Gegensätze sind, sondern dass Dialog die angemessene Methode der Mision ist.

In "Mission der Liebe" findet sich auch eine überraschende und nachdenkenswerte Deutung der Gottebenbildlichkeit des Menschen. Wer mehr dazu wissen will, muss das Buch selbst lesen.

Kurzum: Trotz seiner Kürze ist "Mission der Liebe" nicht nur ein aktuelles, sondern auch ein äußerst anregendes und fundamentales Buch. Lesen!

Pfr. i.R. Reiner Vogels, 22. 02. 09






Walter Mostert, Jesus Christus – Anfänger und Vollender der Kirche. Eine evangelische Lehre von der Kirche, Zürich 2006, ed. J. Bauke-Ruegg, P. Koller, Ch. Möller, H. Weinacht

Eine Buchbesprechung von Robert Stratmann, Februar 2009

Acht Jahre nach Erscheinen der Aufsatzsammlung Glaube und Hermeneutik mit bis dahin unveröffentlichten Arbeiten des am 4. März 1995 verstorbenen Zürcher Systematikers Walter Mostert, erschien vor drei Jahren – rechtzeitig zu seinem 70. Geburtstag (10. Juni 2006) – das Manuskript einer im Wintersemester 1993/94 gehaltenen Ekklesiologie-Vorlesung. Mit nicht nur akribischem, sondern auch eindeutig liebevollem Fleiß haben die Herausgeber das handschriftliche Manuskript durchgearbeitet und für die Veröffentlichung aufbereitet. Und es muss betont werden, dass Mosterts theologische Arbeit solche Beachtung auch verdient. Seine Stimme darf in der systematisch-theologischen Wissenschaft nicht ungehört verhallen. Die nun vorliegende Ekklesiologie ist der beste Beleg hierfür.

Die systematisch-theologische Grundlegung

Für die systematisch-theologische Grundlegung dieses Werkes geht Mostert bei seinem Lehrer Gerhard Ebeling in die Schule. Und so entfaltet er die Grundgedanken strikt aus relationalem Wirklichkeitsverständnis und dessen christologischer Orientierung: Religion ist Gottesverhältnis. Wird dieses in Kreuz und Auferstehung Jesu Christi hineingenommen, dann gelangt es zu existentieller Tiefe (insofern der, die Glaubende Gott Gott sein lassen und von ihm allein das Heil erhoffen kann) und zu kosmischer Weite (indem das Verhältnis des, der Glaubenden zum Mitmenschen, zur Welt, zu sich selbst ins Gottesverhältnis hineingezogen wird). So erscheint Jesus Christus in biblischem Sinn als reales, geschichtliches Für-Uns-Sein Gottes. Das ist seine historische Wirklichkeit. Und da der Glaube nach Schleiermachers Diktum das Existentialverhältnis zu Gott ist, legt sich von selbst das Verständnis Jesu als des Anfängers und Vollenders des Glaubens (Hebr. 12,2) nahe. Wenn nun Jesus Christus, sprich Gottes Erlösungswerk in Kreuz und Auferstehung Jesu Christi, der Grund der Kirche ist, dann ist Kirche in der Person Jesu Christi verwirklicht. Und von daher ist die Formulierung Anfänger und Vollender der Kirche zu verstehen.

Der Aufbau

Diese Grundgedanken hält Mostert hartnäckig durch in den Paragraphen Kirche als religiöse Gemeinschaft; Jesus Christus – Anfänger und Vollender der Kirche; Die primären Erscheinungsformen der Kirche (notae ecclesiae); Zum Wort Kirche; Zur Unterscheidung sichtbarer und unsichtbarer Kirche; Credo ecclesiam – congregatio (communio) sanctorum; Die Attribute der Kirche: una, sancta, catholica, apostolica; Jesus Christus, der einzelne, die Gemeinschaft – Hinweise zur Erscheinung der Kirche.

Der Gang der Darstellung

Im II. Kapitel widmet sich Mostert den primären Institutionen der Kirche und umreißt so eine spezielle Ekklesiologie. Unter den Primärinstitutionen der Kirche versteht er Gottesdienst, Abendmahl, Predigt, Taufe und Gebet, denen er sakramentale Dignität zugesteht – durchaus auch der Predigt und dem Gebet. Mostert kann diesen ungewöhnlichen Weg in Anknüpfung an Luther gehen, der in seiner Programmschrift Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche ja Jesus Christus als Sakrament und Abendmahl, Taufe und hier noch die Buße als sakramentale Zeichen darstellt (erst in den Katechismen 9 Jahre später verschmilzt die Buße dergestalt mit der Taufe, dass nur noch von 2 Sakramenten die Rede sein kann).

Mostert kann seine ungewöhnliche Sicht der sakramentalen Zeichen aus der Korrelation von Gott und Mensch herleiten: Gott teilt sich uns mit in der Predigt des Evangeliums von Jesus Christus, also im Zuspruch des Für-Uns-Seins Gottes, das wir im Abendmahl begehen. Wir antworten mit der Taufe als Eintritt in die Wirklichkeit des Seins Gottes und im Gebet als der menschlichen Antwort auf Gottes Anrede.

Das Zentrum der Darstellung

Zum Zusammenhang des Abendmahls mit der Predigt führt Mostert aus, dass die Kirche mit der Feier des Abendmahls das Gegründetsein der Existenz allein im Wort von der Versöhnung – nichts anderes ist Glaube! – nicht überbietet, sondern unüberbietbar lebt, denn „Im Abendmahl wird das Ganze des Lebens in der Welt und vor Gott gesammelt, verdichtet in dem Empfang der Versöhnung durch den Sünder. In der Predigt nun wird dieser Kern des Evangeliums, der Empfang der Versöhnung durch den Sünder, ausdrücklich in den Gesamtzusammenhang des Lebens gestellt.“ So ergibt sich hier also das für alles Reden von Gott konstitutive Gegenüber des Wortes von der Rechtfertigung allein durch den Glauben zur menschlichen Erfahrung. Mostert erkennt hier – wie F. Gogarten und G. Ebeling – Luthers Unterscheidung von Gesetz und Evangelium wieder.

Eine evangelische Lehre von der Kirche im ökumenischen Gespräch

Man kann es nur als ausgesprochen schade bezeichnen, wenn Mosterts Vorlesung das Schicksal sehr vieler Vorlesungen seiner meisten Kollegen ereilte und die Zeit während des Semesters zu knapp wurde, um sie zu Ende führen zu können. Die Paragraphen zur Taufe und zum Gebet fehlen leider. Dafür haben die Herausgeber dankenswerterweise zwei Taufpredigten aus den Jahren 1964 und 1988 angefügt, die wesentliches über Mosterts Taufverständnis verraten.

Konsequentes Vernehmen der biblischen Botschaft, erlernt in der Schule reformatorischer Theologie, bewährt im Gespräch mit der Philosophie Martin Heideggers: So ließe sich Mosterts systematisch-theologisches Denken umreißen, und so begegnet es dem Leser auch in dieser Ekklesiologie: echt evangelisch, sodass man sich des evangelischen Kirchenbegriffs freuen kann. Man ist gerne „kirchliche Gemeinschaft“ und weiß zugleich, dass man Kirche im Vollsinn des Wortes ist: nichts anderes nämlich als die Gemeinschaft der gerechtfertigten Sünder. Darum kann dieses Werk einen Beitrag zum ökumenischen Gespräch über das Wesen der Kirche evangelischerseits leisten.

Man kann es nur bedauern, dass es Mostert nicht vergönnt war, ein weiteres Semester über Ekklesiologie zu lesen, denn es wäre interessant, wie er die sekundären Institutionen der Kirche (diakonische, pädagogische, soziale Arbeit) und ihre soziologische Gestalt darlegen würde.

Das Buch kostet 15,40 Euro. ISBN-10: 3-290-17375-5 ISBN-13: 978-3-290-17375-3

Pfr. Robert Stratmann, Ulm-Jungingen, Januar 2009


Ernst Volk: Dr. Pommer
Johannes Bugenhagen
Der Reformator im Norden


Groß Ösingen 1999, 205 Seiten, € 7,50  

Dieses gut lesbare und spannend erzählende handliche Büchlein des früheren Vorsitzenden und heutigen Ehrenvorsitzenden des Lutherischen Konvents im Rheinland ist jetzt in 2. Auflage erschienen. Es wurde vom Vorsitzendes des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber (Berlin), besonders empfohlen! Wir geben diese Empfehlung weiter.





"So kommt der Glaube aus der Predigt. Evangelische Predigt im Trierer Land." Unter diesem Titel sind Predigten aus den letzten Amtsjahren des Ehrenvorsitzenden des Lutherischen Konventes im Rheinland, Superintendent i.R. Ernst Volk, in Buchform erschienen. Sie wurden in der Ev. Kirche Mülheim (Mosel) als Gemeindepredigten sowie zu entsprechenden Anlässen auf der Ebene des Kirchenkreises Trier gehalten. Auf diese Weise wird zu den wichtigsten Stationen des Kirchenjahres je eine Predigt aus unterschiedlichen Jahren geboten. Ernst Volk erweist sich in seinen Predigten als fundierter Verkündiger der biblischen Botschaft in Unterscheidung von Gesetz und Evangelium und ausgewiesenen Kenner der Theologie Martin Luthers. Volk zeigt, dass es auch heute möglich ist, biblisch-reformatorisch zu predigen. Seine Predigten erweisen sich als gewinnbringend für alle, die biblisch-reformatorische Substanz in der Predigt vermissen.

Sie sind herausgegeben von seiner Frau Getraude Volk, erschienen in der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms in Groß Oesingen, Martin-Luther-Weg 1, 29393 Groß Oesingen, Tel. 05838-990808, Fax 05838-990809, 361 Seiten, ISBN-10: 3-86147-295-3, Euro 17,80.

Weitere dort erschienene Bücher von Ernst Volk:
  • "Philipp Melanchthon. Der Lehrer Deutschlands", 149 Seiten, Euro 6,--
  • "Dr. Pommer Johannes Bugenhagen. Der Reformator im Norden", 205 Seiten, Euro 7,50
  • "Vom evangelichen Predigtamt. Ein Fragment", 145 Seiten, Euro 10,--


Pfr. Thomas Berke, Mülheim/Mosel, 16.04. 07

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    Aus Richtung Koblenz oder Mönchengladbach: A61 bis Kreuz Bliesheim / auf die A553 Richtung Brühl, Abfahrt Brühl-Ost, die Brühler Straße befahren, heißt später Rheinstraße, nach der Bahnunterführung 2. Straße links (ca. 300 m) - Mayersweg

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