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Internetarchiv des Lutherischen Konvents im Rheinland

Aktuelle Kurzkommentare aus 2012
Landessynode ohne biblische Basis (Luth. Konvent) Zum Verwaltungsreformbeschluss der Landessynode (Krause) Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig (Krause)


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Landessynode ohne biblische Basis
Krause/Sickinger

Die Landessynode der Ev. Kirche im Rheinland hat im Januar 2012 beschlossen, den § 39 des Pfarrdienstgesetzes der EKD zu übernehmen und somit gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften für Pfarrerinnen und Pfarrer im Pfarrhaus zu ermöglichen und grundsätzlich zu erlauben.

Der Lutherische Konvent im Rheinland hält diesen Beschluss für einen falschen und für einen auf längere Sicht die evangelische Kirche zerstörenden Weg. Wenn eine Kirche das Gegenteil von dem beschließt und tut, was Gottes Wort in der Bibel eindeutig sagt, hebt sie ihre eigene Grundlage auf und verliert ihre biblische und reformatorische Legitimation.

In dieser Frage geht es ausdrücklich nicht darum, homosexuell empfindende Menschen herabzusetzen. Selbstverständlich gibt es in den Kirchen und Gemeinden homosexuell empfindende Menschen, die z.T. engagiert mitarbeiten. Die gesellschaftlich notwendige Toleranz im Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlicher sexueller Ausrichtung wird von niemandem bestritten.

Die evangelische Kirche hat aber die Aufgabe, Gottes Wort in Gesetz und Evangelium weiterzugeben und Menschen zum Vertrauen auf Gott und zum Leben nach seinem Wort einzuladen. Wenn dagegen eine Kirche Beschlüsse fasst und Verhaltensweisen fördert oder segnet, die nach dem Wort der Bibel dem Willen Gottes widersprechen, wird sie selbst unglaubwürdig und auf Dauer überflüssig.

Wir rufen die Synode der Ev. Kirche im Rheinland, die Synoden anderer evangelischer Landeskirchen und die Synode der EKD dazu auf, ihre Irrwege zu verlassen und ihre Beschlüsse zu korrigieren.

Pfr. Winfrid Krause, Vorsitzener/Pfr. Wolfgang Sickinger, Februar 2012

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Stellungnahme zum Verwaltungsreformbeschluß der Landessynode
Winfrid Krause

Die Landessynode 2012 der Evangelischen Kirche im Rheinland hat eine Verwaltungsreform auf den Weg gebracht, die gegen die z.T. erheblichen Bedenken der Mehrheit der Kirchenkreise eine Konzentration der Verwaltung auf Kirchenkreisebene durchsetzen will. Zwar wurde das ausnahmslose „Muß“ der Vorlage in eine Soll-Bestimmung abgemildert, die regionale Ausnahmen zuläßt. Unklar bleibt jedoch, welche „Pflichtaufgaben“ in Zukunft von der kreiskirchlichen Verwaltung und welche „Wahlaufgaben“ von den Gemeindebüros erledigt werden sollen. Vor allem aber verstößt die Zentralisierung der Verwaltung auf Kirchenkreisebene gegen die Kirchenordnung, nach der die Gemeinden und Presbyterien für die Verwaltung zuständig sind (Art.15 KO). Es ist deshalb zu hoffen, daß eine Klage beim kirchlichen Verwaltungsgericht die offensichtlich verfassungswidrige Reform zu Fall bringen wird.

Höchst verwunderlich ist, daß dieselbe Synode, die sich mit dem Millionenskandal des kirchlichen Beihilfezentrums bbz beschäftigen mußte, das Heil der Kirche ausgerechnet in einer fragwürdigen Verwaltungszentralisierung sieht. Das in die Debatte geworfene Stichwort „Subsidiarität“, nach dem die Dinge vor Ort schneller, besser und billiger geregelt werden als in fernen, teuren und unüberschaubaren Superstrukturen, blieb unberücksichtigt. Dagegen hat man bisher nichts davon gehört, daß die KirchrechnerInnen der Gemeinden schlecht gearbeitet oder gar hohe Schulden verursacht hätten. Sollen die bisherigen Angestellten der ca. 70 nicht an Verwaltungsämter angeschlossenen Gemeinden in die Arbeitslosigkeit entlassen werden? Glaubt man wirklich, daß eine zentrale Verwaltung mit Vollzeitbeamten kostengünstiger arbeiten wird als nebenberufliche oder ehrenamtliche Gemeindeglieder? Oder gelten jetzt auch in der Kirche die parkinsonschen Gesetze, nach denen eine sich selbst überlassene Bürokratie sich immer mehr Macht anmaßt, immer mehr Geld verschlingt und wie ein Krebsgeschwür wuchert?

Pfarrer Winfrid Krause, Vorsitzender des Lutherischen Konvents im Rheinland, Thalfang, 15.02. 2012

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Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig
Zur Jahreslosung 2012 2. Korinther 12, 9
Winfrid Krause

Ein Wort Jesu Christi soll uns als Losung durch das neue Jahr begleiten, nicht ein Wort des irdischen, sondern des erhöhten, das uns der Apostel Paulus überliefert hat. Nachdem Paulus die Gemeinde in Korinth verlassen hatte und weitergezogen war, wurde seine Autorität dort von anderen Aposteln in Frage gestellt. Er sei kein richtiger Jünger Jesu gewesen (2.Kor 5,16), er habe die Heiden vom Gesetz des Mose befreit, er verfüge über keine besonderen Geistesgaben (2.Kor 11,5). Der Apostel kämpft in seinen Briefen an die Korinther leidenschaftlich um seine Stellung1 und erwähnt eine besondere „Offenbarung“, bei der er ins Paradies entrückt wurde. Doch will er sich solcher außergewöhnlichen Gnadenerweise nicht rühmen; sie sind kein Verdienst. Damit er sich ihretwegen nicht überhebe, wurde ihm ein „Pfahl ins Fleisch“ gegeben, irgendeine schmerzhafte Krankheit, die trotz mehrfachen Gebets nicht weichen will. Der Herr sprach vielmehr zu ihm: „Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Solche Erfahrungen, daß Gebete auch nicht erhört werden, daß wir mit einem Leiden leben müssen, sind uns nicht unbekannt. In den heidnischen Religionen suchten die Menschen ihr Glück: hast du Liebeskummer, gehe in den Tempel der Venus; mußt du in den Krieg ziehen, bringe dem Mars ein Opfer; bist du krank, bete zu Asklepios! Aber – so hat Dietrich Bonhoeffer in einer berühmten Predigt2 gesagt – am Kreuz Jesu „ist die Gleichung von Religion und Glück ein für allemal zerbrochen. Über dem Kreuz erschien das neue, unbegreifliche Wort: Gnade.“ Gottes Sohn lebte uns dort das Vertrauen auf Gottes Gnade vor und ging in das Dunkel des Todes hinein. Erst drei Tage danach, in seiner Auferstehung, wurde Gottes Heil an ihm offenbar.

Wo sind wir in unserem Leben schwach, daß wir um Gottes Hilfe bitten? Da sind Ängste, den vielfältigen Anforderungen in Beruf und Familie nicht gewachsen zu sein. Da sind Sünden, die sich trotz guter Vorsätze hartnäckig wiedereinstellen. Da sind schmerzhafte, chronische Krankheiten, die selbst mit aller Medizin nicht besser werden. Da ist das Älterwerden, wo die Kräfte nachlassen und vieles nicht mehr so geht wie früher. Wenn diese Nöte und Schwächen auch durch intensives Gebet nicht aufhören, sind sie offenbar von Gott auferlegt und gewollt. Christsein besteht wesentlich im Hoffen und Harren auf Gottes Zukunft und Erlösung. Nur wo der Mensch nicht groß, stark, reich, gerecht und gesund sein will, nur wo er klein, schwach, arm, schuldig und krank ist, ist Raum für Gott: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Dadurch wird umgekehrt auch ganz klar, was Gottes Gnade eigentlich ist? Offenbar kein Wundermittel zur Erreichung irdischer Glückszustände; keine Gabe, die von ihrem Geber abgelöst einfach so in unseren Besitz übergehen könnte; sondern die vergebende Liebe Gottes, die am Kreuz seines Sohnes aufleuchtet und den Sünder annimmt, durch die wir – wenn wir an sie glauben – auch in der größten Not nicht verlassen, sondern in Gott geborgen sind. Gott wurde in Jesus Christus ein Mensch, ein hilfloses Kind in der Krippe, ein Wanderprediger mit Worten, ein ohnmächtiger Mann am Kreuz. Aber gerade so zeigt er eine Schwäche für uns, so wurde die Größe seiner Liebe offenbar, so hat er Sünde, Tod und Teufel besiegt und das ewige Reich Gottes begründet. „Denn wenn er auch gekreuzigt worden ist in Schwachheit, so lebt er doch in der Kraft Gottes.“ (2.Kor 13,4) So führt er uns durch Kreuz und Leiden zur Auferstehung und zur ewigen Freude!

Vielleicht verstehen wir jetzt besser, warum Schwächen zum Christsein dazugehören? Wir haben den „Schatz“ der Gnade „in irdenen Gefäßen, damit die überschwengliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.“ (2.Kor 4,7) Wir wandeln eben noch „im Glauben“ und noch nicht „im Schauen“ (2.Kor 5,7) Wir würden uns sonst der „hohen Offenbarungen überheben“ (2.Kor 12,7) und uns wie das Volk Israel unserer Erwählung „rühmen“ und so aus der göttlichen Gnade wieder ein menschliches Verdienst machen. Wir sind auch als Christen noch Sünder, und die Sünde, die im Fleisch steckt, muß zu Grabe getragen werden. Wir müssen deshalb erst „mit Christus leiden“ und sterben und unser Kreuz tragen, bevor wir mit ihm zur Auferstehung gelangen und endgültig vom Bösen erlöst werden. (Röm 8,17; Phil 3,10f.)

Für solche Kraft in der Schwachheit gibt es viele Beispiele in der Natur: Wasser ist viel weicher als der harte Fels, und doch hölt steter Tropfen den Stein. Ein zarter Pflanzentrieb durchbricht das harte Erdreich. Ein kleiner Vogel fliegt tausende Kilometer weit. Eine einzige Kerze erhellt den ganzen Raum voll Dunkelheit.

Auch unter den Menschen kommt man mit Geduld oft weiter, als wenn man mit der Faust dreinschlägt. Die Welt muß gewiß mit starker Hand regiert werden und kann der staatlichen Gewalt nicht entbehren. Aber Christen kämpfen nicht mit irdischen Waffen um vergängliche Erfolge, sondern breiten mit dem schwachen Wort und mit Zeichen der Liebe Gottes Barmherzigkeit aus. Und entsprechen so dem, was Jesus uns durch seinen Apostel sagt: „Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Martin Luther notierte dazu bei seiner Bibelübersetzung am Rand: „Mit diesem Wort tröstet Christus alle, die in Schwachheit und Leiden sind. Denn er kann seine Stärke in uns nicht beweisen, wir seien denn schwach und leidend.“3 Im Glauben aber sind wir auch in Schwachheit und Leiden mit Jesus verbunden, der – obwohl er als Gottes Sohn Anteil an Gottes Allmacht hatte –aus Liebe zu uns schwach wurde. Im Glauben wohnt er im Hl.Geist in uns, stärkt uns mit herrlichen Verheißungen und geht im neuen Jahr mit uns mit. So daß wir mit dem Apostel sprechen können: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ (2,Kor 12,10)

1 E.Käsemann, Die Legitimität des Apostels, ZNW 1942,,33-71; Sonderausgabe 1956.

2 GS V, 458ff.

3 WADB 7,169



Pfr.Winfrid Krause, Thalfang, Vorsitzender des Luth.Konvents, 01.01. 12